Ich habe ein wenig Speck am Bauch. Das soll gefährlich sein. Warum?
Es klingt sonderbar, aber Übergewicht ist nicht gleich Übergewicht. Denn auf die Fettverteilung kommt es an. Schon vor mehr als 60 Jahren hat der französische Stoffwechselspezialist Jean Vague auf die Unterschiede hingewiesen. Grob gesagt, gibt es zwei verschiedene Formen: Menschen, bei denen das Fett vor allem um den Bauch herum vorkommt, und solche, bei denen sich die Depots mehr an Hüfte und Oberschenkeln abzeichnen. Wenn das Bauchfett – die Verteilung wird auch Apfelform genannt – dominiert, ist dies mit einem höheren Risiko für Folgekrankheiten verbunden, als wenn sich das Fett vor allem in der Hüftgegend ansammelt. Der Grund: Die Fettzellen, die im Bauchinneren liegen, weisen eine erhöhte Stoffwechselaktivität auf. Zwar machen sie nur zehn bis 15 Prozent der gesamten Fettmasse des Körpers aus, aber sie geben leichter und schneller gespeicherte Moleküle ab als andere Depots. Damit unterhalten sie die Entwicklung von Gefäßschäden. Aus diesen Überlegungen heraus nutzen Ärzte für eine einfache Risikobestimmung die Messung des Bauchumfanges – auch wenn sich auf diese Weise natürlich nicht die exakte Menge an innerem Bauchfett feststellen lässt. Doch seit 1998 ist der Taillenumfang ein wichtiges Kriterium der gängigen Definitionen des Metabolischen Syndroms: Im Allgemeinen finden die Grenzwerte von 102 Zentimetern für Männer und 88 Zentimetern für Frauen Anwendung. Wessen Bauchumfang diese Werte übertrifft, hat – rein statistisch gesehen – ein mindestens doppelt so hohes Erkrankungsrisiko. Fazit: Ein wenig Speck um die Hüften, typisch für viele Frauen, muss also nicht gefährlich sein, solange kein Bauchfett vorhanden ist.