Nette Nachbarn ermuntern zu mehr Bewegung

Mehr als Bildung und Einkommen ist offenbar das nachbarschaftliche Umfeld für den Umfang an sportlichen Aktivitäten ausschlaggebend

In welchem nachbarschaftlichen Umfeld Menschen leben, hat offenbar großen Einfluss darauf, wie viel Sport sie treiben und wie sehr sie körperlich aktiv sind. Das stellen amerikanische Forscher in einer Studie fest, die kürzlich in der Fachzeitschrift Urban Studies veröffentlicht wurde. Demnach bewegen sich Bewohner in ärmeren Stadtvierteln, in denen niedrigere Bildung vorherrscht, deutlich weniger als jene Menschen, die in Gegenden mit gut nachbarschaftlichen Verhältnissen leben.

Christopher Browning von der amerikanischen Ohio State Universität analysierte zusammen mit Kollegen von der Universität von Utah die Sportgewohnheiten einer Gruppe von knapp 9000 Bewohnern der amerikanischen Großstadt Chicago aus unterschiedlichsten Vierteln. Dabei stellten sie fest, dass nicht das persönliche Einkommen und die Bildung einer Person für die Bereitschaft zu sportlicher Aktivität ausschlaggebend war. Entscheidender für den jeweiligen Aktivitätsgrad war die Umgebung: In ärmeren und vernachlässigten Stadtvierteln trieben die Menschen weniger Sport. In Gegenden, wo das Vertrauen zwischen Nachbarn hoch war und generell ein Gefühl von Sicherheit herrschte, stellten die Wissenschaftler dagegen einen höheren Aktivitätsgrad fest. Für Frauen hatten diese Argumente offenbar mehr Bedeutung als für Männer.

Von anderen Untersuchungen ist bekannt, dass Verbesserungen der Infrastruktur wie beispielsweise das Anlegen von Parks oder das Schaffen breiterer Gehwege, die Menschen zu mehr Bewegung anregen. Browning bestreitet diese nicht, weist aber daraufhin, dass das soziale Umfeld ebenfalls eine wichtige Rolle spiele: „Manche Menschen wollen aktiv sein, leben aber in einer Nachbarschaft, die ihnen keine Lust macht, nach draußen zu gehen und sich zu bewegen.“ Weitere Studien müssten die Erkenntnisse bestätigen, meint Browning: „Sollte dies der Fall sein, müsste das soziale Umfeld bei neuen Initiativen, die auf eine bessere Gesundheit und Wohlfühlen der Bewohner eines Stadtviertels abzielen, berücksichtigt werden.“

02.04.2008

 
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