Eine britische Studie lässt vermuten, dass der Einfluss von Alkohol auf den Blutdruck bisher unterschätzt wurde
Alkoholkonsum und erhöhter Blutdruck stehen offenbar in einem viel engeren Zusammenhang als bisher angenommen. Diese Vermutung lässt eine Arbeit von Wissenschaftlern der britischen Universität von Bristol zu, die im März in der Internet-Zeitschrift „PloS Medicine“ veröffentlicht wurde. Die Forscher stützen sich dabei auf Untersuchungen an Menschen, die aufgrund einer genetisch bedingten Enzymvariante Alkohol langsamer abbauen als andere.
Der Zusammenhang zwischen Alkohol und Bluthochdruck wurde bereits in einer Reihe von Beobachtungsstudien untersucht. Stets zeigte sich starker Alkoholkonsum als ein Risikofaktor für Bluthochdruck. Solche Untersuchungen haben jedoch Schwächen, da eine Reihe von Störfaktoren wie Ernährung, Rauchen oder Bewegungsgewohnheiten berücksichtigt werden muss.
Die britischen Forscher um Dr. Sarah Lewis vom Institut für Sozialmedizin der Universität von Bristol gingen einen anderen Weg. Sie griffen bei ihrer Untersuchung auf Daten von Menschen zurück, die eine bestimmte Genmutation aufweisen. Diese führt zu einem Defekt des Enzyms Alkoholdehydrognase 2 (ALDH2), sodass die Betroffenen Alkohol nur langsam abbauen. Vor allem in asiatischen Staaten ist diese Genvariante verbreitet. Nach Alkoholkonsum häuft sich bei den Betroffenen ein Zwischenprodukt an, das zu Kopfschmerzen, Benommenheit, Schwindel, intensiver Gesichtsröte und weiteren Symptomen führt.
Aufgrund dieser unangenehmen Effekte trinken diese Menschen weniger oder gar nichts, so die Annahme der britischen Forscher. Als sie nun die Blutdruckwerte dieser Personen mit jenen von moderaten Alkohol-Trinkern verglichen, stellten sie Erstaunliches fest: Tranken Männer, die keine Verwertungsstörung aufwiesen, etwa 24 Gramm Alkohol pro Tag (das entspricht etwa 0,3 Liter Wein oder 0,6 Liter Bier und gilt für Männer als Harmlosigkeitgrenze), hatten sie deutlich höhere Blutdruckwerte als Männer mit der genetischen Variante, die daher wenig bis gar nichts tranken. Das Risiko, an Bluthochdruck zu erkranken, lag für die Trinker sogar doppelt so hoch. „Unsere Studie zeigt, dass Alkoholkonsum den Blutdruck viel stärker steigen lässt als bisher angenommen – auch bei moderaten Trinkern“, fasst Lewis ihre Ergebnisse zusammen.
02.04.2008