Amerikanischen Forschern gelingt es zum ersten Mal, den Zusammenhang zwischen Bluthochdruck und Diabetes mit konkreten Zahlen zu belegen
Neue Daten einer großen amerikanischen Studie erlauben es erstmals, den Zusammenhang zwischen Bluthochdruck und der Entstehung von Typ-2-Diabetes bei Frauen exakt aufzuschlüsseln. Den Wissenschaftlern vom Brigham and Women's Hospital, der Harvard Medical School und der Havard School of Public Health ist es gelungen, bestimmten Blutdruckwerten konkrete Diabetesrisiken zuzuordnen. Diese Gefahrenanalyse erwies sich als unabhängig vom Body-Mass-Index (BMI) sowie anderen bekannten Diabetes-Risikofaktoren. Laut dieser Untersuchung, die kürzlich im European Heart Journal veröffentlicht wurde, ist die Wahrscheinlichkeit, eine Zuckerkrankheit zu entwickeln, für Frauen mit Bluthochdruck dreimal höher als für solche mit normalen Blutdruckwerten.
Mehr als 38.000 Frauen, die im Gesundheitswesen arbeiteten, wurden für die Women's Health Studie über zehn Jahre hinweg beobachtet. Zu Beginn im Jahr 1993 hatte keine Teilnehmerin eine Zuckererkrankung. Auch krankhafte Veränderungen an den Herzkranzgefäßen fehlten. Anhand ihrer Blutdruckwerte wurden die Frauen in vier Gruppen eingeteilt: optimale Werte (unter 120 mm Hg systolisch, unter 75 mm Hg diastolisch), normale Werte (120 bis 129 mm Hg, 75 bis 84 mm Hg diastolisch), grenzwertige normale Werte (130 bis 139 mm Hg, 85 bis 89 mm Hg), Bluthochdruck (ab 140 mm Hg systolisch, ab 90 mm Hg diastolisch).
Nach zehn Jahren waren nur 1,4 Prozent der Frauen mit optimalen Blutdruckwerten an Diabetes erkrankt. 2,9 Prozent hatte es in der Gruppe mit normalen Werten erwischt, 5,7 Prozent in der grenzwertigen Gruppe und 9,4 Prozent von den Frauen mit Bluthochdruck. Nachdem die Wissenschaftler andere Faktoren wie Alter, Rauchen, Alkoholkonsum, Bewegung, familiäre Diabetes-Belastung u. Ä. berücksichtigt hatten, ergab sich für Frauen mit Bluthochdruck schließlich ein dreifach höheres Diabetesrisiko als für Frauen mit optimalen Blutdruckwerten. „Unsere statistischen Analysen zeigen“, berichtet Studienleiter Dr. David Conen, „dass der Zusammenhang zwischen Bluthochdruck und Diabetes für alle Frauen gilt, für die normal- und übergewichtigen genauso wie für die fettleibigen. In allen drei Gewichtskategorien war beim Vergleich der Gruppe mit den niedrigsten und den höchsten Blutdruckwerten das Risiko um das Dreifache erhöht.“
Aufgrund ihrer Ergebnisse gehen die Forscher davon aus, dass Bluthochdruck sowie dessen Entwicklung gute Vorhersageparameter für die Entstehung eines Typ-2-Diabetes sind – unabhängig vom BMI oder anderen Komponenten des Metabolischen Syndroms. Sie vermuten, den Vorgängen liegt eine Fehlfunktion der Gefäßwände zugrunde, die sogenannte „endotheliale Dysfunktion“. Der Begriff beschreibt den Umstand, dass die Zellen der Gefäßinnenwände einen Teil ihrer Eigenschaften einbüßen. Unter anderem verschlechtern sich ihre Kontraktionfähigkeit und ihre Fähigkeit zum Transport von Molekülen wie Zucker. „Die endotheliale Dysfunktion könnte ein Vorläuferstadium sowohl für Hochdruck als auch Diabetes sein“, mutmaßt Conen.
02.11.2007