Die wirtschaftliche Krise zu Beginn der 1990er-Jahre hatte für den Inselstaat dramatische Folgen, der Volksgesundheit tat sie laut amerikanischen Epidemiologen dagegen sehr gut
Während Typ-2-Diabetes-Erkrankungen und die damit verbundenen gesundheitlichen Folgen weltweit seit Jahren zunehmen, kam es auf Kuba im Verlauf einer schweren Wirtschaftskrise zu einem erheblichen Gewichtsverlust großer Bevölkerungsschichten. Nach einer im American Journal of Epidemiology erschienenen amerikanischen Studie sank daher im Zeitraum von 1989 bis 2000 die Zahl der Todesfälle aufgrund von Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich.
Die wirtschaftliche Krise ereilte den Inselstaat nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Mit dem Wegfall wichtiger Handelspartner blieben günstige Energielieferungen aus. Das Land geriet in eine Wirtschaftskrise, die laut der Berechnungen von Manuel Franco von der Bloomberg School of Public Health in Baltimore zu einem dramatischen Abfall der täglichen Energiezufuhr der Bevölkerung führte. Demnach fiel diese von 2899 kcal (1988) auf 1863 kcal im Jahr 1993. Zeitgleich nahm die körperliche Aktivität zu: Während 1987 rund 30 Prozent der Bevölkerung körperlich aktiv waren, stieg der Anteil von 1991 bis 1995 auf etwa 70 Prozent an. Viele Kubaner waren aufgrund des Treibstoffmangels gezwungen, Fahrrad zu fahren oder zu laufen.
Die Folgen dieser Entwicklung ließen nicht lange auf sich warten. In der Stadt Cienfuegos beispielsweise sank der Anteil Fettleibiger von 14,3 Prozent (1991) auf 7,2 Prozent im Jahr 1995. Dies führte zu einem deutlichen Absinken der Diabetes-Sterblichkeit: Sie halbierte sich zwischen 1997 und 2002. Im gleichen Zeitraum verringerte sich die Zahl der Todesfälle durch Herzinfarkte um 30 Prozent, während die Häufigkeit von Schlaganfällen um ein Fünftel abnahm. Insgesamt verminderte sich die Gesamtsterblichkeit um 18 Prozent.
So tragisch die Auswirkungen der wirtschaftlichen Krise für den Inselstaat auch waren, die amerikanischen Epidemiologen sehen die Situation als einen Beweis dafür, dass die zu erwartenden Folgen der weltweiten Diabeteswelle sich tatsächlich abwenden ließen. Eigentlich ganz einfach, wie das Beispiel Kuba zeigt: mit einer weniger energiereichen Ernährung und mehr Bewegung. Auf der Karibikinsel allerdings hat sich die Situation bereits wieder geändert: Durch die wirtschaftliche Erholung der letzten Jahre erwarten die Wissenschaftler, dass auch die Häufigkeit von Diabetes und den damit verbundenen Folgekrankheiten wieder zunimmt.
02.11.2007