Handeln mit Weitblick

Eine schnelle und gute Kontrolle des Blutzuckers schützt die Gefäße von Diabetikern – vor allem auf lange Sicht

Lange nach Ende der „United Kingdom Prospective Diabetes Study“ (UKPDS) profitieren die Patienten noch immer von der Teilnahme, wenn sie in der Untersuchungsgruppe waren, die frühzeitig mit Medikamenten den Blutzucker einstellten. Heute, zehn Jahre nach Studienende, liegen ihr Risiko für Herzinfarkte sowie ihr Sterberisiko niedriger als die jener Teilnehmer, die zunächst ohne Medikamente versuchten, den Blutzucker in den Griff zu bekommen. Die Ergebnisse wurden kürzlich in der Online-Ausgabe des New England Journal of Medicine veröffentlicht.

Dr. Rury R. Holman und sein Kollege David Matthews vom Oxford Centre of Diabetes, Endocrinology and Metabolism hatten bereits im Jahr 1998 die Daten der UKPDS-Studie ausgewertet. Jetzt präsentierten die beiden Mediziner die Nachbeobachtungsergebnisse. Nach Studienende im Jahr 1998 stellten sich die Teilnehmer bis 2002 jährlich einmal in der Klinik vor, ohne dass dabei jedoch die ursprünglichen Studientherapien aufrechterhalten wurden. Von 2002 bis 2005 beschränkte sich die Nachbeobachtung auf das Ausfüllen von Fragebogen.

Innerhalb des ersten Jahres verschwanden zwischen den Teilnehmern die Unterschiede im Hb1c-Wert, der die Güte der Blutzuckerkontrolle anzeigt. Das lag vermutlich auch daran, dass allen Teilnehmern nach Studienende zu einer intensivierten Blutzuckersenkung geraten wurde. Auch wenn sich also in der Nachbeobachtungszeit die Blutzuckereinstellung kaum noch unterschied, wiesen die Typ-2-Diabetiker, die von Anfang an mit Medikamenten (Sulfonylharnstoff/Insulin) den Blutzucker gesenkt hatten, ein um 24 Prozent niedrigeres Risiko für Gefäßschäden auf als jene, die anfangs nur mit Diät behandelt worden waren. Zudem war bei ihnen die Zahl an Herzinfarkten um 15 Prozent niedriger, und ihre Gesamtsterblichkeit war um 13 Prozent geringer.

„Unsere Studie zeigt überzeugend, dass sich eine frühzeitig einsetzende Blutzuckersenkung bei Typ-2-Diabetikern auszahlt. Ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sinkt deutlich“, sagte Studienleiter Holman auf dem Jahrestreffen der European Association for the Study of Diabetes (EASD) in Rom. Und auf Dauer, ließe sich anfügen. Gänzlich falsch wäre es aus den Ergebnisse zu folgern, dass ein Patient nach zehn Jahren Therapie seine Bemühungen einstellen kann. Im Gegenteil: Eine gute Blutzuckerkontrolle muss dauerhaft bestehen bleiben, damit der Betroffene den größtmöglichen gesundheitlichen Gewinn davonträgt.

14.10.2008

 
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