"Das Risiko für einen 18jährigen ist deutlich höher."

Interview mit Professor Hans Hauner, Ernährungsmediziner an der Technischen Universität München und wissenschaftlicher Beirat der Stiftung Rufzeichen Gesundheit!

Hat der Body Mass Index (BMI) für die Risikoabschätzung von Übergewichtsfolgen ausgedient?

Nein, natürlich nicht. Er bleibt ein gutes Maß für die Gesamtfettmasse des Körpers. Liegt der BMI einer Person über 30, gilt höchste Alarmstufe. Denn die Gefahr für Krankheiten des Metabolischen Syndroms wie Hochdruck, Diabetes oder auch Gefäßschäden ist deutlich erhöht. Bei mäßigem Übergewicht dagegen, wenn also der BMI sich zwischen 25 und 30 bewegt, gilt inzwischen der Bauchumfang als der bessere Risikoindikator. Seit 1999 wird er in verschiedenen Definitionen des Metabolischen Syndroms berücksichtigt.

Halten Sie die zurzeit gültigen Grenzwerte des Bauchumfangs für praktikabel?

Im Grunde schon. Meist wird übersehen, dass es für beide Geschlechter jeweils zwei Grenzwerte gibt. So werden Männer bereits ab einem Taillenumfang von mehr als 94 Zentimetern dem „Schweregrad 1“ zugerechnet. Das Risiko für Folgekrankheiten ist für die Betroffenen um das ein- bis zweifache erhöht. Ab 102 Zentimeter Bauchumfang beginnt der „Schweregrad 2“, verbunden mit einer noch größeren Gefahr für Folgekrankheiten. Bei Frauen liegen die entsprechenden Werte bei 80 bzw. 88 Zentimetern. Im Klinikalltag ist es sicherlich sinnvoll, den jeweils höheren Grenzwerten mehr Bedeutung beizumessen. Für die ist die Datenlage eindeutiger.

Sind die Grenzwerte altersabhängig?

Nein, sie gelten für alle Erwachsenen ab 18 Jahren. Einschränkend muss man sagen, dass das Risiko für einen 18 Jährigen – sollte er den gleichen Bauchumfang haben wie ein 70-jähriger – natürlich deutlich höher ist. Nicht ohne Einschränkung sind die Werte für den Bauchumfang dagegen für verschiedene Kulturkreis anwendbar: So gelten beispielsweise in Asien niedrigere Werte als in westlichen Ländern.

Was sollten Menschen machen, die sich nun erst der Problematik bewusst werden?

Wer sich das erste Mal überhaupt mit den Problemen Übergewicht und Bauchumfang beschäftigt, der sollte zunächst zu seinem Hausarzt gehen. Nach einer eingehenden Untersuchung, bei der auch geklärt wird, ob bereits Hinweise auf Diabetes, Fettstoffwechselerkrankungen, Bluthochdruck sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorliegen, gehören die Gewichtsprobleme so schnell wie möglich angegangen. Mit mehr Bewegung und einer Ernährungsumstellung auf kalorienarme Mischkost lassen sich erste Abnehmerfolge auch relativ schnell feiern.

22.05.2006

 
  Nachdruck erwünscht – bitte immer mit Angabe der Quelle Stiftung RUFZEICHEN GESUNDHEIT!