Das Diabetes Forum Konstanz e.V., Sonderpreisträger des Gesundheitspreises 2007 der Stiftung RUFZEICHEN GESUNDHEIT!, veranstaltet am 1. März im Konzil Konstanz einen Schüler-Präventionstag zum Metabolischen Syndrom. Sein Motto: „Gesundheit macht Schule“
Seit sieben Jahren verleiht die Stiftung RUFZEICHEN GESUNDHEIT! den mit 25.000 Euro dotierten Gesundheitspreis. Ausgezeichnet werden Therapie- und Präventionsprojekte, die sich mit den Krankheiten aus dem Problemfeld des Metabolischen Syndroms beschäftigten. Das Rennen um den Gesundheitspreis 2008 geht nun in die heiße Phase: Noch bis zum 28.02. können preiswürdige Vorschläge eingereicht werden. Verliehen wird auch ein Sonderpreis für Präventions-Projekte in Schulen oder Kindergärten. Im Jahr 2007 erhielt das Diabetes Forum Konstanz e.V. diese Auszeichnung für ein zusammen mit Konstanzer Schulen gestaltetes Präventionsprojekt. Die Neuauflage der preisgekrönten Veranstaltung findet am 01. März im Konstanzer Konzil statt.
Die gleichen Inhalte, aber ein neuer Rahmen – so lässt sich die Veranstaltung, die am 1. März im Konstanzer Konzil über die Bühne geht, in Kurzform beschreiben. „Wir haben am Konzept festgehalten, Schülern die Möglichkeit zu geben, ihre eigenen Ideen zum Thema „Diabetes“ und „Metabolisches Syndrom“ zu entwickeln“, berichtet Waltraud Weiss, Vorstandsmitglied des Diabetes Forum Konstanz e.V. „Diesmal jedoch ist das Projekt nicht Teil eines Diabetiker-Tages, sondern eine eigene Veranstaltung.“ „Gesundheitstag“ haben Weiß und ihre Vorstandskollegen des Forums das Ereignis getauft. „Alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Es kostet auch keinen Eintritt“, rührt Weiss die Werbetrommel.
Die Diabetes-Assistentin engagiert sich schon lange im Diabetes Forum Konstanz. Regelmäßig organisiert der Verein einen Diabetikertag. „Die Veranstaltungen sind immer sehr gelungen. Es kommen aber natürlich nur die Menschen, die bereits erkrankt sind“, sagt Weiß. „Wir wollten aber etwas tun, um Schadenbegrenzung zu betreiben.“ Da lag es nahe, dort einzugreifen, wo die Weichen für die Zukunft gestellt werden – in der Schule. „Unser Ziel ist es, die Schüler aufzuklären und sie gleichzeitig zu einer Art Gesundheitsbotschafter auszubilden“, erläutert Weiß. „Wenn sie Bescheid wissen, finden die Informationen zum Metabolischen Syndrom auch Eingang in den Familien- und Freundeskreis.“ Sie gelangen dorthin, wo sie benötigt werden: Denn der Bekanntheitsgrad des „tödlichen Quartetts“, wie das Metabolische Syndrom mit den Komponenten Bluthochdruck, Übergewicht, gestörter Zucker- wie Fettstoffwechsel oft genannt wird, hält sich trotz vieler Millionen von Betroffenen in Deutschland sehr in Grenzen.
Bunte Vielfalt
Interessierte Besucher des Konstanzer Konzils erwartet am 01. März ein breit gefächertes Programm. „Den Schülern wurde völlig freie Hand gelassen“, berichtet Weiß. Eine Liste mit Themenvorschlägen („Zuckerkrankheit, was ist das?“ oder „Wie gesund leben wir eigentlich?“) und sinnvollen Präsentationsmöglichkeiten (Interview, Plakate, Theater etc.) stellte das Forum den interessierten Klassen zur Verfügung. Mehr nicht. Darauf aufbauend schufen die Schüler aus der Umgebung, von Grundschulen bis zum Wirtschaftsgymnasium, eine bunte Vielfalt an Präventions- und Informations-Angeboten. Am 1. März wird zum Thema Diabetes getanzt und gerapt und Theater gespielt. Es werden Sportübungen vorgestellt, ein Quiz im Stil von Wer-wird-Millionär findet statt und Schüler der Krankenpflegeschule am Klinikum Konstanz bieten einen Test zur Bestimmung des persönlichen Diabetes-Risikos an. Und zu gewinnen gibt es für die teilnehmenden Schüler natürlich auch etwas: Das Publikum prämiert die drei besten Projekte.
Gerne würden die Klassen 8a und b der Gebhard-Schule in Konstanz zu den Gewinnern zählen. Sabrina Scheck, die für das Projekt verantwortliche Lehrerin an der Schule, hat beobachtet, dass die Eigenwerbung bereits angelaufen ist: „Die Teilnehmer reden mit Freunden über ihr Projekt und fordern sie auf zum Gesundheitstag zu kommen, um für sie zu stimmen.“ Auf die Beine gestellt haben die Gebhard-Schüler ein umfassendes Gesundheitsquiz. Per Frage-Antwort-Spiel vermitteln die 14-Jährigen Informationen darüber, was Diabetes ist, was eine gesunde Ernährung ausmacht, wie viel Kalorien eine Tafel Schokolade enthält oder wie man im am Büroschreibtisch Gymnastik treibt. „Unsere Vorbereitungen laufen sehr gut. Die Schüler besorgen sich die Informationen selbständig und wir bereiten sie dann gemeinsam auf. Der Stand ist schon fast fertig“, berichtet Scheck. Ihre Zwischenbilanz ist dennoch nicht ganz ungetrübt: „Diejenigen Kinder, die mit Übergewicht bereits ein Problem haben, lassen sich nur schwer zur Teilnahme an einem solchen Projekt motivieren. In der jetzigen Gruppe ist keiner dabei.“
Damit spricht Scheck eine grundsätzliches Problem von Präventionsmaßnahmen an. Egal, ob sie sich an Kinder oder Erwachsenen wenden, die besonders gefährdeten Personen sind auch besonders schwer zu erreichen. Kein Wunder also, dass die Zahl an Übergewichtigen ständig steigt – auch unter Kindern: Kürzlich stufte der Kindes- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGs) des Robert-Koch-Instituts 15 Prozent der Kinder in Deutschland als übergewichtig ein. Von diesen 1,9 Millionen Kindern fallen sogar 800 000 in die Kategorie „fettsüchtig“ oder – medizinisch gesprochen – „adipös“.
Trotz der dramatischen Situation sieht der Kinderarzt und Adipositas-Forscher Professor Dr. Martin Wabitsch von der Universität Ulm, Licht am Horizont: „Die Zeichen der Zeit sind vielerorts erkannt. Inzwischen gibt es eine ganze Reihe guter Projekte, die sich um die Prävention von kindlichem Übergewicht kümmern.“ Als sehr erfolgreich habe sich in vielen Studien schulbasierte Prävention erwiesen, so der Experte. Grundsätzlich werden zwei Ansätze unterschieden: Verhältnis- und Verhaltensprävention. Während es im ersten Fall darum geht, ein möglichst gesundes Umfeld zu schaffen, steht beim zweiten Ansatz eine Verhaltensänderung der Kinder im Mittelpunkt.
Gesundes Umfeld schaffen
Das schulische Umfeld bietet eine Reihe von Möglichkeiten, Verhältnisprävention zu betreiben. Wenn der Schulkiosk keine zuckerhaltigen Limonaden mehr verkauft oder die Schulkantine keine Pommes mehr anbietet, müssen sich die Schüler fügen. Dabei können einfache Maßnahmen ein ganz erstaunliche Wirkung haben: So wurde im Rahmen einer Studie des Forschungsinstituts für Kinderernährung in Dortmund an Schulen ein Trinkwasserspender aufgestellt, während in anderen Schulen dies nicht geschah. Und tatsächlich: Beim Vergleich der Gewichtsentwicklung der Schüler schnitten die Schulen mit kostenlosem Wasserangebot besser ab als die anderen.
Gesundes Verhalten fördern
Als ebenfalls erfolgreich im Bereich der Schule hat sich Verhaltensprävention erwiesen. „Entscheidend ist, dass ein bestimmtes, gesundes Verhalten im Klassenverband als cool angesehen wird. Dann setzt es sich auch durch“, sagt Wabitsch. Ein Beispiel aus England: Dort wurde in einer Schule während eines Schuljahres intensiv im Unterricht auf die Gefahr von zuckerhaltigen Getränken hingewiesen und Wasser als sinnvolle Alternative angepriesen. Beim Vergleich mit einer anderen Schule zeigte sich die Wirkung der Maßnahme: Die Zahl der Übergewichtigen hatte an der Präventions-Schule nicht zugenommen. Trotz vieler positiver Beispiele – auch in Deutschland – räumt Wabitsch ein, dass von einer flächendeckenden Prävention noch lange nicht gesprochen werden könne. „Die einzelnen Projekte sind gut und erfahren immer mehr Unterstützung, aber insgesamt gibt es noch eine Menge zu tun.“
Insofern sind solche Initiativen, wie die des Konstanzer Diabetes Forums, mehr als willkommen. Bei der Vorbereitung des Gesundheitstages hat Waltraud Weiss gemerkt, wie sehr die Problematik Übergewicht, Metabolisches Syndroms und Diabetes in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt ist. „Es war diesmal sehr viel leichter als bei der ersten Veranstaltung, die Lokalpresse zu interessieren“, berichtet sie. Und auch die Politik hat sich dem Thema angenommen: Der Landrat Frank Hämmerle hat die Schirmherrschaft übernommen und sogar einen Geldpreis gestiftet. Gleichzeitig unterstützen eine Reihe von Unternehmen, unter anderem die AOK, örtliche Bäckereien sowie Gemüseproduzenten, das ehrgeizige Vorhaben und sind mit Ständen auf dem Gesundheitstag vertreten. Diese wachsende Resonanz bestärkt Weiß in ihrer Hartnäckigkeit: „Man darf nicht locker lassen!“ Keine Frage also: Auch 2009 wird das Diabetes Forum Konstanz einen Gesundheitstag organisieren.
18.02.2008