Zum ersten Mal vergleicht eine Studie den Erfolg von operativer und medizinischer Therapie bei Typ-2-Diabetikern
Unbestritten spielt Übergewicht eine, wenn nicht sogar die wesentliche Rolle bei der Entwicklung von Typ-2-Diabetes. Im Umkehrschluss heißt dies natürlich auch, dass eine Gewichtsabnahme die Grundlage für eine erfolgreiche Therapie der Betroffenen darstellt. Diese lässt sich auf verschiedene Weise erreichen: einerseits durch Lebensstiländerungen sowie Medikamente, andererseits durch eine Operation (z.B. Magenverkleinerung). Ein Team von Chirurgen hat nun zum ersten Mal im Rahmen einer Studie, den Nutzen dieser unterschiedlichen Ansätze miteinander verglichen. Die australische Studie erschien kürzlich im Amerikanischen Ärzteblatt (JAMA).
John Dixon von der Monash Universität in Melbourne (Australien) hatte 60 stark übergewichtige Diabetes-Patienten in seine Studie eingeschlossen: Bei 30 Teilnehmern wurde per Magenband der Magen verkleinert, die anderen 30 erhielten eine gewöhnliche Diabetes-Therapie, die vor allem auf Lebensstiländerungen (Ernährungsumstellung, mehr Bewegung) setzte und, wenn nötig, durch die Gabe von Medikamenten ergänzt wurde. Operative Eingriffe mit dem Ziel der Magenverkleinerung werden bisher nur bei stark übergewichtigen Menschen empfohlen.
Die Unterschiede in den beiden Gruppen am Ende des zweijährigen Beobachtungszeitraums waren erstaunlich: Während 73 Prozent (22 Teilnehmer) der operierten Patienten nach zwei Jahren keine diabetische Stoffwechsellage mehr aufwiesen, war dieser Erfolg in der anderen Gruppe nur drei Teilnehmern (13 Prozent) beschieden. In allen Punkten schnitten die Menschen mit Magenband besser ab als die Nicht-Operierten: So lag bei ihnen Nüchternblutzucker und Insulin-Konzentration im Blut sehr viel niedriger. Ihr Bauchumfang hatte deutlicher abgenommen (minus 18 Zentimeter), Blutdruck- und Blutfettwerte hatten sich erheblich gebessert. Im Schnitt nahmen die Operierten 21,1 Kilogramm ab – die konventionell Behandelten dagegen nur 1,5 Kilogramm.
„Eine wichtige Erkenntnis der Studie ist, dass offenbar nur das Ausmaß, nicht aber Art und Weise der Gewichtsabnahme für die Besserung der Stoffwechsellage und die Heilung von Diabetes entscheidend sind“, berichten die Studienautoren. Gleichwohl schränken die Forscher ein, dass die Langzeit-Effekte von Operation und dem folgenden Gewichtsverlust noch mit Vorsicht beurteilt werden sollten. „Dennoch bietet die Studie starke Argumente für eine operativ eingeleiteten Gewichtsverlust bei übergewichtigen Typ-2-Diabetikern“, schlussfolgern sie. Fraglich ist allerdings, ob sich die Ergebnisse verallgemeinern lassen, also für alle Typ-2-Diabetiker gelten können. Denn in der aktuellen Studie war bei den Teilnehmer erst in den letzten zwei Jahren die Diabetes-Diagnose gestellt worden und sie wiesen verhältnismäßig milde Ausprägungen der Erkrankung auf.
18.02.2008