Verstärkte Blutzuckersenkung erweist sich als zu gefährlich
Den Therapiearm einer großen US-Diabetes-Studie, in der die Blutzuckerwerte deutlicher als bisher üblich gesenkt wurden, haben amerikanische Behörden nun vorzeitig beendet. Der Grund war das Auftreten von deutlich mehr Todesfällen in dieser Patientengruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe. Rund 10000 Menschen mit Typ-2-Diabetes nehmen an der ACCORD-Studie (Action to Control Cardiovascular Risk in Diabetes) in den Vereinigten Staaten und Kanada teil. Die Untersuchung läuft seit dem Jahr 2001 und soll Möglichkeiten aufzeigen, wie sich das für Diabetiker deutlich erhöhte Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen in den Griff bekommen lässt. Unter anderem wurde daher untersucht, ob diese Risiko-Patienten einen Vorteil davon haben, wenn ihre Blutzuckerwerte besonders stark gesenkt werden.
Gradmesser für diese intensive Therapie war der so genannte Hämoglobin A1c (HbA1c) - Wert. Er wird im Blut bestimmt und zeigt an, wie gut der Blutzucker in den letzten drei Monaten eingestellt war. Für Typ-2-Diabetiker empfehlen die Internationale Diabetes-Föderation (IDF) sowie die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) derzeit HbA 1c-Werte von unter 6,5 Prozent, wobei mit der heute üblichen Diabetes-Therapie meist nur HbA1c-Werte zwischen sieben und acht Prozent erreicht werden. Eben diese waren in der Vergleichsgruppe der ACCORD-Studie angestrebt, während in der Gruppe mit der aggressiven Blutzuckersenkung versucht wurde, die HbA1c-Werte unter sechs Prozent, also in den Bereich von gesunden Menschen, zu senken. Nun wurde dieser Therapiearm allerdings kurzerhand gestoppt, weil mehr Todesfälle als in der Vergleichsgruppe auftraten – 257 gegenüber 203. Pro Tausend Studienteilnehmer bedeutet dies immerhin drei zusätzliche Todesfälle.
Eine Erklärung für dieses überraschende Zwischenergebnis gibt es bisher nicht. Dementiert wurde von den Behörden, dass die intensive Blutzuckersenkung zu häufigen Zuständen von Unterzucker geführt habe. Spekuliert wird, dass unerwünschte Arzneimittelinteraktionen die Ursache für die zusätzlichen Sterbefälle sind, da viele der in die Studie eingeschlossenen Patienten mehrere Krankheiten (u.a. Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte) aufweisen und deshalb verschiedene Medikamente gleichzeitig einnehmen müssen.
18.02.2008