Behandelte Zuckerkranke haben ein erhöhtes Risiko, Depressionen zu entwickeln
Das Risiko eine Depression zu entwickeln, ist für Menschen, die wegen eines Diabetes behandelt werden, erhöht. Umgekehrt sind Depressive auch einer erhöhten Gefahr ausgesetzt, Diabetes zu entwickeln – allerdings ist dieser Zusammenhang weniger deutlich, wie eine kürzlich in der Fachzeitschrift JAMA publizierte Studie feststellte. Sherita Hill Golden von der amerikanischen Johns-Hopkins-Universität in Baltimore und ihre Kollegen hatten in den Jahren 2000 bis 2002 mehrere Tausend Menschen im Alter von 45 bis 84 Jahren in ihre Studie eingeschlossen. Beobachtet wurden diese bis ins Jahr 2005.
Die Daten wurden anschließend zwei unterschiedlichen Analysen unterzogen: Im ersten Fall errechneten die Forscher für 5201 Teilnehmer, die zu Studienbeginn keinen Diabetes hatten, welches Risiko für sie bestanden hatte, innerhalb der dreijährigen Studien einen zu entwickeln – unterschieden wurde in Teilnehmer mit und ohne depressive Symptome. Die zweite Analyse umfasste 4847 Teilnehmer, die zu Studienbeginn keine depressiven Symptome gehabt hatten. Für sie ermittelten die Wissenschaftler die statistische Gefahr, während der Studie eine Depression zu entwickeln, wobei die Forscher zwei Gruppen – mit und ohne Typ-2-Diabetes – unterschieden.
Die Ergebnisse waren eindeutig: Ein behandelter Typ-2-Diabetes war demnach mit einem um 52 Prozent erhöhten Risiko für ausgeprägte depressive Symptome verbunden. Im Gegensatz dazu bestand für Teilnehmer, deren Typ 2-Diabetes nicht behandelt wurde, keine erhöhte Depressionsgefahr. Darüber hinaus stellten die Wissenschaftler für die Teilnehmer mit ausgeprägten depressiven Symptomen ein nur unwesentlich erhöhtes Diabetes-Risiko fest. Statistiker sagen dazu: nicht signifikant, also womöglich rein zufällig.
„Unsere Ergebnisse lassen vermuten, dass der psychische Stress, den eine Diabetes-Behandlung mit sich bringt, durchaus zu ausgeprägten depressiven Symptomen führen kann“, merken die Autoren an. Umgekehrt sei aber auch klar, dass depressive Symptome mit einer Reihe von metabolischen sowie verhaltensabhängigen Risikofaktoren für Typ-2-Diabetes einhergingen wie einer verminderten körperlichen Aktivität oder ungesunden Ernährungsgewohnheiten. „In jedem Fall ist es für Ärzte wichtig, sich dessen bewusst zu sein, dass auch behandelte Diabetiker depressive Symptome aufweisen können. Eventuell sollten sie sich sogar überlegen, ob sie betreffende Personen nicht routinemäßig auf diese Symptome hin untersuchen.“
19.06.2008