Übergewichtige Menschen verfügen entgegen der bisherigen medizinischen Meinung nicht über kräftigere Knochen
Übergewicht schadet dem Herzen und dem Stoffwechsel, erhöht den Blutdruck und stört die Funktion vieler anderer Organe. Vermutlich muss diese Liste künftig um das Skelett erweitert werden. Das zumindest meinen die Autoren einer Studie der amerikanischen Universität von Georgia, die in der Fachzeitschrift American Journal of Clinical Nutrition erschienen ist. Sie bringt Übergewicht mit einer verringerten Knochendichte in Zusammenhang. „Übergewicht ist ein weit- verbreitetes Problem, und unsere Studie macht auf bisher kaum beachtete negative Auswirkungen aufmerksam“, sagte der Ernährungsmediziner Dr. Richard D. Lewis, der an der Studie beteiligt war.
Die Forscher hatten 115 junge Frauen mit einem neuartigen Computertomographen (CT) untersucht. Die Teilnehmerinnen wurden in zwei Gruppen - mit normalem und erhöhtem Körperfettgehalt - eingeteilt. Sie waren alle 18 oder 19 Jahre alt, da in diesem Alter das Knochenwachstum bereits abgeschlossen ist, der altersbedingte Rückgang aber noch nicht eingesetzt hat. In beiden Gruppen stellten die Wissenschaftler eine ähnliche Knochenfestigkeit fest. Kein Zusammenhang bestand auch mit der vorhandenen Muskelmasse. „Das ist erstaunlich“, urteilt Lewis, „weil zu erwarten gewesen wäre, dass schwere Personen über eine höhere Knochenfestigkeit verfügen.“ Bisher gingen Mediziner davon aus, dass bei schweren Menschen durch ihr Plus an Muskelmasse höhere Kräfte auf die Knochen wirken. Das rege deren Wachstum an und führe zu einer größeren Festigkeit, so die Annahme. Doch diese Argumentationskette könne nun nicht mehr aufrechterhalten werden, meint Studienleiter Norman Pollock: „Dickere Menschen verfügen nicht über so viel mehr Knochen, wie sie angesichts ihrer größeren Muskelmasse haben sollten.“
Frühere Studien zur Knochenfestigkeit hatten sich nur auf Knochendichtemessungen gestützt. Die dreidimensionale Knochenstruktur und der Knochenaufbau flossen somit nicht in die Untersuchungen ein. Doch diese Faktoren spielen eine wichtige Rolle bei der Knochenfestigkeit. Die neuartige Technik, die US-Forscher nun anwandten, erlaubte es, sowohl den Mineralgehalt sowie Form und Geometrie der Knochen zu berücksichtigen.
19.12.2007