Diabetes-Prävention – In Zusammenarbeit mit der Deutschen Diabetes-Stiftung präsentiert das Gesundheitsmagazin Apotheken Umschau den einzigartigen FINDRISK-Fragebogen
Kaum fünf Minuten dauert es, den neuartigen Fragebogen zur Diabetes-Vorbeugung auszufüllen. Das Gesundheitsmagazin Apotheken Umschau, das in den meisten deutschen Apotheken erhältlich ist, stellt ihn in seiner Ausgabe vom 15. Januar erstmals einer breiten Öffentlichkeit vor. Nicht einmal Laborwerte werden benötigt, um zu erfahren, wie groß die eigene Gefahr ist, in den nächsten zehn Jahren einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln. „Je einfacher und leichter ein Test ist, desto eher wird er auch gemacht“, sagen Präventionsforscher gerne. Und genau das sind die Vorzüge des FINDRISK-Fragebogens. Einfachheit und Verständlichkeit gehen dabei aber keinesfalls zu Lasten der Vorhersagegenauigkeit.
Zwar gibt es schon länger Möglichkeiten, das individuelle Diabetes-Risiko abzuschätzen, doch sind dazu Labortests nötig. Und das macht die Sache so problematisch, denn die Tests kosten Geld und erfordern einen Arztbesuch. Kein Wunder also, dass mit den bisherigen Untersuchungen nur ein Bruchteil der wirklich Gefährdeten erreicht wird. Von dem FINDRISK-Fragebogen erhoffen sich Präventionsmediziner, dass genau diese Schwierigkeiten wegfallen. Seit einigen Monaten ist er in Deutschland im Einsatz. Von einem „neuen Ansatz in der Diabetes-Prävention“ spricht der Vorsitzende der Deutschen Diabetes-Stiftung, Professor Rüdiger Landgraf. Mit dem Fragebogen, so der Diabetologe, sei nun eine genaue Risikobestimmung völlig unabhängig vom Arzt möglich.
Entwickelt wurde der Test in Finnland – anhand der Daten von 4500 Personen. Der Grund dafür ist, dass Epidemiologen in skandinavischen Ländern geradezu paradiesische Arbeitsverhältnisse vorfinden: Die Versicherungsunternehmen speichern schon seit Jahrzehnten detaillierte Gesundheitsinformationen über ihre Kunden und stellen sie dann Wissenschaftlern zur Auswertung zur Verfügung. Mit diesen Informationen konnten die Forscher eine Zeit von 40 Jahren überblicken und relevante Risikofaktoren ausfindig machen.
Die Analyse der Daten mit statistischen Methoden ergab letztendlich eine mathematische Formel, mit der sich das persönliche Diabetes-Risiko berechnen lässt. Ein paar Informationen zu Alter, Diabeteserkrankungen in der Verwandtschaft, Taillenumfang, Bluthochdruck, Body-Mass-Index (errechnet aus Gewicht und Körpergröße) reichen aus, Labortests sind keine nötig. Der Teilnehmer erhält einen Punktwert, mit dem er in einer Tabelle sein Diabetes-Risiko für die nächsten zehn Jahre erfährt. Einfacher geht es nicht mehr. Das hat auch jene überzeugt, für die der Fragebogen konzipiert wurde: In Finnland kommt der Fragebogen seit 2003 zum Einsatz und wird hervorragend angenommen.
Bevor jedoch der Fragebogen hierzulande Einzug halten konnte, musste ein Ärzteteam klären, ob er sich überhaupt in Deutschland anwenden lässt – schließlich wurden finnische Daten zur Entwicklung verwendet. Also führten die deutschen Präventionsmediziner den Test mit hierzulande erhobenen Patientendaten durch und siehe da: Die Präzision der Vorhersagen war hervorragend. In Italien und Holland wurden ähnliche Untersuchungen durchgeführt – auch dort hat sich der Fragebogen bewährt.
Genauso verständlich wie die Durchführung des Fragebogens sind auch die Ergebnisse der persönlichen Risikoabschätzung: Ab einer gewissen Punktezahl wird den Teilnehmern empfohlen, mehr auf Ernährung und Bewegung zu achten und gewisse Lebensstiländerungen im Alltag umzusetzen. Es gilt die Hauptverursacher, Bewegungsmangel und eine zu kalorienreiche Ernährung, auszuschalten. Denn beides führt letztlich zu Übergewicht und einem Bündel von Zivilisationskrankheiten wie Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Vorstufen des Typ-2-Diabetes, die üblicherweise unter dem Begriff „Metabolisches Syndrom“ zusammengefasst werden. Menschen mit einem stark erhöhten Diabetes-Risiko, empfiehlt der Test den direkten Weg zum Arzt. Um in diesen Fällen die Entwicklung eines Diabetes zu verhindern, sind unter Umständen einschneidende Maßnahmen bis hin zur Einnahme von Medikamenten nötig.
Denn die möglichen Folgen sind nicht zu unterschätzen: Die Ablagerungen in den Gefäßwänden, die bei einer Zuckerkrankheit auftreten, können – je nach Ort des Schadens – Herzinfarkte, Schlaganfälle oder auch starke Durchblutungsstörungen der Beine hervorrufen. Verhindern lassen sich diese möglicherweise tödlichen Konsequenzen nur dann, wenn rechtzeitig und effektiv eingegriffen wird. Die Bedeutung des Faktors Zeit macht Professor Landgraf deutlich: „Bei rund 30 Prozent der Menschen, bei denen ein Typ-2-Diabetes festgestellt wird, bestehen zum Zeitpunkt der Diagnose bereits diabetesbedingte Gefäßschäden. Nicht selten finden sich diese am Herzen.“
Längst haben auch Politiker die Notwendigkeit von groß angelegten Präventions- und Aufklärungskampagnen erkannt. Individuelle Risikoberechnungen spielen dabei eine zentrale Rolle. Daher hat der FINDRISIK-Fragebogen womöglich eine große Zukunft. Er könnte, so hoffen Experten, sich als das Screening-Instrument für Diabetes in ganz Europa etablieren.
23.01.2007