Übergewicht und Diabetes sind hochkomplexe Krankheiten, die auf einem Zusammenspiel genetischer und umweltbedingter Faktoren beruhen. Nur allmählich gelingt es Forschern, Licht in das Dunkel der genetischen Ursachen zu bringen. Zwei kürzlich erschienene Veröffentlichungen weisen auf die Bedeutung zweier Gene hin.
Wissenschaftler des Nationalen Genomforschungsprojektes (NGFN) haben zusammen mit dänischen und isländischen Kollegen eine Genvariante vorgestellt, die das Risiko für Typ-2-Diabetes erhöht. Der Studie, die in der Zeitschrift Nature Genetics veröffentlich wurde, liegen Untersuchungen von Patienten aus Island, Dänemark und Westafrika zugrunde. Dabei konnten die Forscher verschiedenen Varianten des Gens TCF7L2, das eine wichtige Rolle bei der Sekretion von Insulin spielt, unterschiedliche Erkrankungsrisiken zuordnen. Offenbar ist die Diabetesgefahr um circa 45 Prozent erhöht, wenn die Variante HapB(T2D) an einem der beiden TCF7L2-Genorte der Zelle vorliegt. Finden sich zwei Kopien der Variante, steigt das Risiko sogar um 100 Prozent.
Mit einem anderen Gen haben sich amerikanische Forscher von der Universität von Saint Louis beschäftigt. Im American Journal of Clinical Nutrition weisen sie auf die Bedeutung des Gens FABP2 hin, das sich angeblich im Erbgut der Hälfte der amerikanischen Bevölkerung findet. Als die Wissenschaftler den Stoffwechsel von Trägern der FABP2-Variante Ala54Thr untersuchten, zeigten sich deutliche Unterschiede in der Fettverwertung gegenüber Menschen mit der Standardversion des Gens. Demnach verbrannten Personen mit der Variante mehr Fett und wiesen erhöhte Blutzuckerspiegel auf. Letztere sind mit einem erhöhten Diabetesrisiko verbunden.
Beide Studien machen deutlich, wie schwierig sich die genetische Ursachenforschung bei der Zuckerkrankheit gestaltet. Denn es tragen viele verschiedene Gene zur Entstehung bei, wobei vermutlich erst ein Teil bekannt ist. Klar ist aber auch: Diese genetischen Risikofaktoren lassen sich nicht beeinflussen – im Gegensatz zum Lebensstil. Wer vorsorgen soll, kann dies mit mehr Bewegung und einer gesünderen Ernährung wirksam tun.
22.02.2007