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Die (Präventions-)Welt zu Gast
Auf dem sechsten Weltkongress für Diabetes-Prävention vom 8. bis 11. April in Dresden suchen international hoch angesehene Wissenschaftler nach neuen Vorbeugemöglichkeiten Die zentrale Frage, die die Präventionswissenschaftler Anfang April nach Dresden führt, lautet: Wie gelingt es, die in allen Ländern um sich greifende Diabetes-Epidemie aufzuhalten? Weltweit steigen die Zahlen der Betroffenen seit Jahren: Neuesten Schätzungen zufolge sind inzwischen 285 Millionen Menschen zuckerkrank, 31 Millionen davon leben in Deutschland und den übrigen Ländern der Europäischen Union. Manch einer könnte geneigt sein, Professor Peter Schwarz von der Universität Dresden für eine Spinne zu halten, eine ziemlich aktive noch dazu: Seit Jahren spinnt er eifrig ein immer engeres Netz. Seine bevorzugte Beute: Präventionsforscher und deren Projekte. „Diabetes ist längst ein globales Problem“, erklärt Schwarz. „Deshalb ist der internationale Ideenaustausch so wichtig.“ Jüngstes Beispiel seiner Aktivität: Im letzten Herbst schuf er mit der Internet-Plattform www.activeindiabetesprevention.com ein virtuelles Forum, in dem sich Interessierte – nicht nur Wissenschaftler – austauschen können (wir berichteten). „Der Anfangserfolg war wirklich überwältigend“, berichtet Schwarz. Historische Dimension Längst ist unbestritten, dass sich Diabetes bei den meisten Betroffenen nicht von heute auf morgen entwickelt. Fast immer führt der Weg dorthin über das metabolische Syndrom, dieses fatale Bündel aus Bluthochdruck, Fettstoff- und Zuckerstoffwechselstörung sowie Übergewicht. Da in dieser Phase noch Zeit ist, die Hebel umzulegen und entgegenzusteuern, betreibt die Stiftung RUFZEICHEN GESUNDHEIT! seit Jahren intensiv Aufklärung über das metabolische Syndrom. „Wirksame Vorbeugung kann nur funktionieren, wenn gefährdete Personen möglichst frühzeitig ausfindig gemacht werden“, erklärt Schwarz. „Dafür spielt das metabolische Syndrom eine entscheidende Rolle.“ Vorreiter Finnland Um Hochrisikopatienten ausfindig zu machen, griffen die Wissenschaftler auf einen eigens dafür entwickelten Fragebogen (FINDRISK) zurück. Wer bei diesem Test einen hohen Wert erzielt, wird dann auf eine möglicherweise bereits vorhandene Diabeteserkrankung untersucht. Hochrisikopatienten und Menschen mit einer neu entdeckten Zuckerkrankheit erhalten im Anschluss professionelle Hilfe, um ihren Lebensstil in Bezug auf Ernährung und Bewegung dauerhaft zu ändern. Verschiedene Ziele erreicht „Die positiven Erfahrungen haben dazu geführt, dass das Modell jetzt auch in anderen Gebieten Finnlands angewandt wird“, erklärt Projektleiter Timo Saaristo. Der Experte räumt aber auch ein, dass viele Schwierigkeiten und Widerstände überwunden werden mussten: „Ein Diabetes-Präventions-Programm einzuführen, ist ein langer und beschwerlicher Weg. Aber letztlich lohnt es sich – für den Einzelnen und für die Gesellschaft!“ Großprojekte in Australien Als Teil des Programm legten die Wissenschaftler unter anderem Standards fest, die Maßnahmen zur Lebensstiländerung erfüllen müssen. Zudem entwickelten sie einen Risikotest. Dessen Bezeichnung (AUSDRISK) verrät die Nähe zum finnischen Vorbild (FINDRISK). Menschen, die im AUSDRISK-Fragebogen einen hohen Wert erzielen, suchen zunächst ihren Hausarzt auf und besprechen mit ihm ihre persönliche Gefährdung. Wer im Anschluss dieses Risiko minimieren möchte, bekommt dazu Gelegenheit: Er kann kostenfrei an Kursen zu Lebensstiländerungen teilnehmen. Für jedes Alter Sachsen als Vorreiter Das Programm besteht aus drei Stufen: Zunächst geht es darum, gefährdete Personen ausfindig zu machen. Wie eine wissenschaftliche Studie gezeigt hat, ist der finnische Fragebogen FINDRISK dafür ideal geeignet. „Abhängig vom Risikowert, den jemand erreicht, erhält er unterschiedliche Hilfestellungen“, erklärt Schwarz. Schriftliche Hinweise über einen gesunden Lebensstil sind für jene Menschen mit einer geringen Gefahr gedacht. Neues Berufsbild Es gibt also bereits eine Reihe erfolgversprechende Ansätze der Diabetes-Prävention. Über diese werden die Präventionsforscher in Dresden diskutieren. Und sie werden neue Ideen und Projekte entwickeln – zum Wohl vieler Millionen Diabetes-Betroffener. Und zur Freude von Professor Peter Schwarz.
24.03.2010 |
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| Nachdruck erwünscht – bitte immer mit Angabe der Quelle Stiftung RUFZEICHEN GESUNDHEIT! | ||||