Zu aggressives Senken von Blutdruck und Blutfettwerten bringt Diabetikern kaum Vorteile, meinen US-Forscher
Offenbar sollten bei Diabetikern Blutdruck und Blutfettwerte nicht zu stark und nicht zu aggressiv gesenkt werden. Diese Schlussfolgerung lassen zwei weitergeführte Teilbereiche der 2008 abgebrochenen ACCORD-Studie zu. Die Ergebnisse wurden kürzlich in der Zeitschrift New England Journal of Medicine publiziert. Während der Hauptarm der Action to Control Cardiovascular Risk in Diabetes (ACCORD)-Studie wegen Zweifeln an der Wirkung einer zu intensiven Blutzuckersenkung abgebrochen wurde, liefen zwei Teilprojekte weiter: Dabei untersuchten Ärzte, inwiefern sich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch eine starke Senkung von Blutdruck bzw. Blutfetten (Cholesterin) verändert.
Für den Blutdruck bei Diabetikern gelten heute besondere Empfehlungen: Schon ab 130 mm Hg systolischem Blutdruck sollte Hypertonie bei diesen Patienten behandelt werden, bei Nicht-Diabetikern erst ab 140 mm Hg. Die Forschergruppe um William Cushman vom Veterans Affairs Medical Center in Memphis (USA) hatte für ihre Studie einen systolischen Blutdruck-Wert von unter 120 mm Hg als Ziel ausgelobt. Zum Schluss lag zwar bei den Teilnehmern – im Vergleich zur Kontrollgruppe – der Blutdruck auch tatsächlich deutlich niedriger (119 mm Hg zu 133,5 mm Hg), doch die Gefahr von Herz-Kreislauf-Tod, Herzinfarkt und Schlaganfall war nicht gesunken. Im Gegenteil: Das Sterberiskiko war mit der intensiven Blutdrucktherapie sogar etwas höher als ohne. Ähnlich enttäuschend waren die Ergebnisse der Wissenschaftler um Henry Ginsberg von der Columbia University in New York. Sie hatten bei Studienteilnehmern die Blutfettwerte aggressiver gesenkt, als derzeit üblich: Doch obwohl sich die Fettwerte stark besserten, änderte sich an der Herz-Kreislauf-Gefahr der Patienten statistisch gesehen kaum etwas.
24.03.2010