Führt zu wenig Schlaf zu Übergewicht?

Das zunehmende Problem von Übergewicht bei Jugendlichen könnte einem englischen Forscher zufolge unter anderem auf einen Schlafmangel der Kinder zurückzuführen sein. Dr. Shahrad Taheri von der Universität von Bristol weist in der Zeitschrift Archives of Disease in Childhood auf neue Untersuchungsergebnisse hin, die die Zusammenhänge zwischen weniger Schlaf und Veränderungen von Stoffwechselprozessen im Körper aufzeigen. Letztendlich können diese Störungen zur Entwicklung von Übergewicht, Insulinresistenz, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. Und offenbar geht dies sehr rasch: Bestimmte Labortests lassen vermuten, dass schon zwei bis drei verkürzte Nachtphasen eine gewisse negative Wirkung haben. So habe eine Studie gezeigt, schreibt Dr. Taheri, dass 30 Monate alte Kleinkinder, die wenig schliefen, im Alter von sieben Jahren überdurchschnittlich häufig mit Gewichtsproblemen zu tun haben. Möglicherweise werden durch Schlafmangel jene Regionen des Gehirns umprogrammiert, die für Appetitregulierung und Energiehaushalt zuständig sind.

Auch auf den Hormonhaushalt hat Schlafmangel offenbar einen erheblichen Einfluss. So zeigen neue Forschungsergebnisse, dass die Spiegel des appetithemmenden Hormons Leptin bei Personen, die nur fünf Stunden schlafen, deutlich niedriger liegen als bei Menschen, deren Nachtruhe acht Stunden dauert. Das Gegenteil gilt für Ghrelin: Das Appetithormon findet sich bei Menschen mit Schlafmangel in deutlich höheren Konzentrationen. Auch in den Regelkreisen des Zuckerhormons Insulin, des Stresshormons Kortison sowie des Wachstumshormons STH treten bei Schlafmangel Veränderungen auf. Solche Störungen könnten die Lust auf kalorienreiche Ernährung steigern, meint Dr. Taheri. Der Mediziner sagt aber auch: „Ausreichend Schlaf ist sicherlich nicht die einzige Antwort auf das Problem 'Übergewicht'. Es gilt aber, die Effekte von Schlafmangel nicht zu unterschätzen.“

30.10.2006

 
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