Offenbar wirkt die Einnahme von Acetylsalicylsäure zur Blutverdünnung nur bei einem Teil aller Herz-Kreislauf-Patienten
Bei Veränderungen der Gefäße wird vielen Patienten zum Schutz vor Herzinfarkten und Schlaganfällen Acetylsalicylsäure (ASS) verschrieben. Das Medikament beeinflusst die Blutgerinnung und verhindert, dass sich Blutklumpen bilden, die Gefäße verschließen könnten. Kanadische Forscher von der McMaster-Universität haben nun in einer umfassenden Analyse bekannter Studien herausgefunden, dass bei einem Großteil der Patienten Acetylsalicylsäure nicht wirkt. Diese Menschen sind resistent gegen den Wirkstoff. Die Übersichtsarbeit, die im Januar im British Medical Journal erschien, stellt für diese Patienten daher ein deutlich erhöhtes Risiko für Herzinfarkte sowie Schlaganfälle fest.
Die Wissenschaftler nahmen 20 Studien unter die Lupe, an denen insgesamt 2930 Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen teilgenommen hatten. Alle hatten Acetylsalicylsäure zur Blutverdünnung eingenommen, bei 28 Prozent der Teilnehmer war eine Resistenz gegen Acetylsalicylsäure ermittelt worden. Es zeigte sich, dass für diese Gruppe die Gefahr von Herzinfarkten und Schlaganfällen um 39 Prozent gegenüber Gesunden erhöht war, während dieses Risiko bei denjenigen, die auf Acetylsalicylsäure ansprachen, nur um 16 Prozent erhöht war.
Für Studienautor Michael Buchanan zeigen die Ergebnisse, dass eine Resistenz gegen Acetylsalicylsäure, deren Exsistenz lange Zeit umstritten war, bei jeder Behandlung von Menschen mit einem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Erwägung gezogen werden muss. Das große Problem allerdings besteht darin, dass es bis heute keine anerkannten Tests gibt, um die Resistenz einwandfrei zu erkennen.
In derselben Ausgabe kommentiert Giuseppe Biondi-Zoccai von der Universität Turin die Studie: Der Mediziner weist darauf hin, dass bisher keine gesicherte Therapiestrategie für die resistenten Patienten existiert. Der Wechsel auf andere gerinnungshemmende Medikamente, aber auch die Erhöhung der ASS-Dosis könnte eine Möglichkeit sein. Schlüssige Studienergebnisse würden allerdings noch fehlen.
28.01.2008