Fett-Eiweiß-Komplex möglicherweise neuer Vorhersageparameter für Hochrisikopatienten
Frauen, die hohe Blutwerte eines bestimmten Fett-Eiweiß-Komplexes, des so genannten Lipoprotein (a), aufweisen, haben ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Das gilt insbesondere für diejenigen, bei denen gleichzeitig die Konzentration des LDL-Cholesterins erhöht ist, das im Volksmund „schlechtes Cholesterin“ genannt wird. In die in der amerikanischen Zeitschrift JAMA veröffentlichte Studie wurden fast 28000 Frauen einbezogen. Sie waren im Rahmen der Women's Health Study zwischen November 1992 und Juli 1995 untersucht und anschließend über zehn Jahre hinweg beobachtet worden.
Lipoprotein (a) ist ein spezifischer Fett-Eiweiß-Komplex, der in der Leber gebildet wird und dessen Konzentration normalerweise das ganze Leben über etwa konstant bleibt. Seine chemische Struktur ist dem des LDL-Cholesterins sehr ähnlich. Über die Bedeutung von Lipoprotein (a) haben Studien bisher widersprüchliche Ergebnisse erbracht, so dass es noch nicht Eingang in die klinische Routine gefunden hat.
In der jetzt veröffentlichten Studie untersuchten Jacqueline Suk Danik und ihr Team vom Brigham und Women's Hospital in Boston die Zusammenhänge zwischen den Blutkonzentrationen von Lipoprotein (a) und dem Auftreten von Herzinfarkten, Schlaganfällen sowie die Häufigkeit von Eingriffen an den Herzkranzgefäßen. Während des zehn Jahre dauernden Nachbeobachtungszeitraums stellten die Forscher 899 Herz-Kreislauf-Ereignisse fest. Unter Berücksichtigung der Informationen zu Rauchen, Blutdruck, Körpergewicht, Cholesterinwerten, Diabetes und Hormonbehandlung war schließlich folgender statistischer Zusammenhang zu erkennen: Demnach ist bei hohen Lipoprotein (a)-Spiegeln die Wahrscheinlichkeit für Herz-Kreislauferkrankungen um den Faktor 1,47 erhöht.
Die Ergebnisse halten die Studienautoren vor allem unter pathophysiologischen Gesichtspunkten für interessant. Eine klinische Bedeutung sehen sie im Moment dagegen für noch nicht gegeben. „Die Forderung nach einem generalisierten Lipoprotein (a)-Screening lässt sich aus unser Daten nicht ableiten, weil nur ausgesprochen hohe Lipoprotein (a)-Konzentrationen mit einem erhöhten Herz-Kreislaufrisiko verbunden waren“, merken Danik und ihre Kollegen an. Sie schlagen vor, dass die Bestimmung von Lipoprotein (a) daher Hochrisikopatienten vorbehalten bleiben sollte.
29.09.2006