Persönliche und regelmäßige Internet-Beratung unterstützt die Therapie von Bluthochdruck
Wie das Internet erfolgreich in die Behandlung von Bluthochdruck integriert werden kann, hat eine amerikanische Studie aus Seattle gezeigt. Sie wurde kürzlich im amerikanischen Ärzteblatt JAMA veröffentlicht. Zentrale Erkenntnis: Nur mit einer persönlichen Ansprache funktioniert die Netzhilfe und bringt den Patienten tatsächlich Vorteile. Unverbindliche Beratungs- und Hilfsangebote dagegen haben offenbar keine Wirkung, stellte die Forschergruppe um Beverly Green vom Group Health Center for Health Studies fest.
Die Wissenschaftler rekrutierten für ihre Untersuchung rund 750 Hypertoniker, die sie in drei gleich große Gruppen einteilten. Die erste Gruppe wurde in keiner Weise zur Selbstkontrolle des Blutdrucks animiert, erhielt also auch keine Internet-Hilfe. Die Teilnehmer der zweiten Gruppe sollten dagegen ihren Blutdruck regelmäßig kontrollieren und hatten die Möglichkeit, per Internet Hilfe anzufordern: Sie konnten sich per E-Mail an einen Arzt wenden, ihre elektronische Patientenakte einsehen und spezielle Informationsseiten aufrufen. Noch umfangreicher war das Angebot für die dritte Gruppe: Diese Teilnehmer nahmen via Internet mit einem Apotheker Kontakt auf – anfangs in einem 14-tägigen Rhythmus – und teilten ihm ihre Werte mit. Mit dem Ansprechpartner konnten sie über ihre Krankheit und ihre Bedenken sprechen. Der Apotheker wiederum hatte die Möglichkeit, die Medikation dem Therapieverlauf anzupassen, und beriet die Patienten zudem im Hinblick auf sinnvolle Lebensstiländerungen. Zusammen erstellten Apotheker und Patienten einen Plan für die Therapie. Erst beim Erreichen von Werten unter 135/85 mm Hg sah die Studie seltenere E-Mail-Kontakte vor.
Das Ziel war für alle Studienteilnehmer gleich: Es bestand darin, innerhalb eines Jahres den Blutdruck unter 140/90 mm Hg zu senken. In der ersten Gruppe gelang dies 31 Prozent der Patienten, in der zweiten 36 Prozent. Das unverbindliche Hilfsangebot via Internet hatte also keinen wesentlichen Einfluss auf die Ergebnisse. Ganz anders die Situation in der dritten Gruppe, in der 56 Prozent der Patienten nach einem Jahr Werte unter 140/90 mm Hg erreichten. Für jene, deren Blutdruck anfangs über 160 mm Hg gelegen hatte, waren die Unterschiede sogar noch erstaunlicher: In der dritten Gruppe erreichten 54 Prozent dieser Patienten das Therapieziel, während es in der ersten Gruppe nur 20 Prozent waren und in der zweiten Gruppe lediglich 26 Prozent.
29.07.2008