Startschuss für ein internationales Projekt zur Diabetes-Prävention

Besser, als Medikamente einnehmen zu müssen, ist es natürlich, Hochrisikopatienten rechtzeitig ausfindig zu machen und sie zu Lebensstiländerungen zu animieren. „Lange bevor die Glukosetoleranz gestört ist, weisen die Patienten bereits zu hohe Konzentrationen von Insulin auf“, sagt Dr. Peter Schwarz, Präventionsforscher von der Universität Dresden. Um den Mangel an nationalen Programmen zu Prävention zu beheben, hat die Europäische Union nun ein eigenes Projekt aus der Taufe gehoben. Wie Schwarz berichtete, wurde der Startschuss dazu erst kurz vor Kongressbeginn gegeben. Das IMAGE-Projekt (Development and Implementation of a European Guideline and Training Standards for Diabetes Prevention) umfasst vier Stufen. Zunächst soll ein praktisches Heftchen mit den Standardinformationen zur Vorbeugung herausgegeben werden. „Schon bald könnten Millionen der Hefte in ganz Europa bei behandelnden Ärzten ausliegen“, sagte Schwarz. Zum IMAGE-Projekt gehören außerdem das Aufstellen von europaweiten Qualitätsstandards zur Prävention von Richtlinien für das neue Berufsbild „Präventionsmanager“ sowie die Einrichtung eines europäischen E-Trainingsportals. Das gesamte Projekt ist auf drei Jahre angelegt.

Darüber hinaus konnte Schwarz von einem ehrgeizigen Projekt in Sachsen berichten: „Drei Millionen Menschen sollen auf Diabetes gescreent werden.“ Das Drei-Stufen-Programm beginnt mit einem Screening per Fragebogen. „Die Krankenkassen verschicken ihn per Post, er steht auf der Telefonrechnung, die Zeitungen drucken ihn. Überall werden die Menschen damit konfrontiert“, sagt Schwarz. Das soll die Mitmachbereitschaft erhöhen. Wer als Risikopatient eingestuft wird, bekommt die anschließende Intervention von den Krankenkassen bezahlt. Nach einem zwölfwöchigen Intensivprogramm beginnt die motivationserhaltende Phase. „Alle sechs Monate soll der Präventionsmanager die Zielwerte wie Bauchumfang oder Blutdruck kontrollieren“, sagt Schwarz. Bezahlt wird er von den Krankenkassen nur, wenn sie auch erreicht werden. Das soll eine intensive Begleitung der Patienten ermöglichen, um ihnen zu helfen, Lebensstiländerungen dauerhaft in den Alltag zu übernehmen.

Fast gleichzeitig hat nun die International Diabetes Foundation (IDF) ein Konsensuspapier zur Vorsorge veröffentlicht. Neben dem Erkennen von Hochrisikopatienten legt die IDF Wert darauf, dass breiten Bevölkerungsschichten die Idee der Diabetes-Prävention nähergebracht wird. Genau das haben die Verantwortlichen in Sachsen vor. Dort ist man also ganz sicher auf dem richtigen Weg.

zurück

30.04.2007

 
  Nachdruck erwünscht – bitte immer mit Angabe der Quelle Stiftung RUFZEICHEN GESUNDHEIT!